Rede Sarah Wyss, 1. Mai 2026 auf dem Barfi, Basel, Es gilt das gesprochene Wort
Der 1. Mai ist der Tag der Solidarität.
Doch diese Woche spürte ich in Bundesbern wenig davon. Das rechte Parlament ist nicht bereit die Pflegeinitiative umzusetzen. Die Pflegenden werden zwar gelobt und beklatscht für deren Arbeit , aber es gab kaum Verbesserungen. Wenn der Ständerat hier nicht nachbessert ist für mich klar, dass der Kanton die Pflegeinitiative kantonal umsetzen muss.
Denn die Pflegenden gehören auch zu den Menschen, die dieses Land jeden Morgen zum Laufen bringen.
Wenn ich morgens durch Basel gehe, sehe ich sie überall:
Eben den Pflegefachmann nach der Nachtschicht im USB, den Chauffeuse im Tram, der Verkäufer, der früh den Laden öffnet, die Lehrperson, die unsere Kinder unterrichtet, den Handwerker auf der Baustelle, die Grenzgängerin, die im Spital Leben rettet.
Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie tragen unsere Gesellschaft.
Und genau diese Menschen wären die Ersten, die unter dieser sogenannten „10-Millionen-Schweiz“-Initiative leiden würden.
Denn was uns die Rechte als Ordnung verkauft, ist in Wahrheit Chaos für unseren Alltag.
– Chaos im Gesundheitswesen.
– Chaos in den Kitas.
– Chaos auf dem Bau.
– Chaos im öffentlichen Verkehr.
– Chaos für Familien, die auf verlässliche Betreuung angewiesen sind.
Wer heute Migration radikal begrenzen will, muss ehrlich sagen,
– Wer morgen im Spital fehlt.
– Wer die Nachtschicht übernimmt.
– Wer unsere Kinder betreut.
– Wer die Busse fährt.
– Wer unsere älteren Menschen pflegt.
Ich spreche regelmässig mit Menschen unter anderem aus der Pflege, mit Ärztinnen, mit Betreuungspersonal.
Und niemand sagt mir: Es hat zu viele Menschen.
Sie sagen: Wir sind zu wenige auf der Station. Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen. Wir brauchen faire Löhne.
Genau darum geht es am 1. Mai.
Die Rechte sucht Sündenböcke. Wir suchen Lösungen.
Die Mieten steigen nicht wegen der Pflegefachperson aus Deutschland. Die Mieten steigen, weil das Mietgesetz nicht umgesetzt wird.
Die Krankenkassenprämien explodieren nicht wegen der Ärztin Frankreich. Die Krankenkassenprämien werden unerträglich, weil wir eine unsoziale Kopfprämie haben.
Die Züge sind nicht voll wegen dem Ingenieur aus Italien. Die Züge sind voll, weil wir auf dem Buckel der Infrastruktur Abbaupakete schnüren.
Und hier in Basel wissen wir ganz genau: Unsere Region lebt vom Austausch, von Zusammenarbeit, von Menschen, die täglich Grenzen passieren, damit unsere Spitäler, unsere Forschung und unsere Wirtschaft funktionieren.
Diese Initiative gefährdet genau das.
Sie riskiert am Ende sogar die Personenfreizügigkeit mit Europa – und damit Arbeitsplätze, Wohlstand und Stabilität.
Liebe Kolleg:innen
Eine Gesellschaft wird nicht stark, indem sie Menschen gegeneinander ausspielt.
Sie wird stark, wenn die Menschen, die arbeiten, von ihrer Arbeit leben können.
Wenn Familien gute Betreuung finden.
Wenn Pflegepersonal nicht ausbrennt.
Wenn niemand Angst vor der nächsten Rechnung haben muss.
Das ist die Schweiz, für die wir kämpfen.
Darum sagen wir am 1. Mai klar: Nein zu Angstmacherei. Nein zu Spaltung. Nein zur Chaos-Initiative.
Unsere Antwort ist Solidarität.
Unsere Antwort sind faire Löhne.
Unsere Antwort ist ein starker Service public.
Unsere Antwort ist eine Schweiz, die funktioniert – für alle und nicht nur für wenige.
Herzlichen Dank